Fachklinik für Physikalisch-Rehabilitative Medizin und Schmerzbehandlung
Orthopädie (AHB)
 

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Chronische Rückenschmerzen
von Dr. med. Petra Brückner
Chefärztin der Orthopädischen Abteilung


Chronische Rückenschmerzen in der Rehabilitation

Rückenschmerz ist keine einheitliche Krankheit bzw. Diagnose, sondern eine Symptombeschreibung, die durch unterschiedliche Faktoren verursacht sein und unterschiedliche Verläufe nehmen kann, weshalb sehr differenzielle, multimodale Behandlungsformen und Therapien im Bereich der Rehabilitation erforderlich sind.

Mehr als 50 % aller Erwachsenen leiden während ihres Lebens irgendwann an Rückenschmerz. Zumeist sind die Verläufe akut. Tritt der Rückenschmerz jedoch vermehrt auf, spricht man von einem rezidivierenden Verlauf, der durch unterschiedlich lange schmerzfreie Intervalle gekennzeichnet ist. Wird er dauerhaft, handelt es sich um einen persistierenden Rückenschmerz, der zumeist durch äußere und innere Belastungsfaktoren in seiner Art und Intensität moduliert wird.

Chronische Rückenschmerzen sind gemeint, wenn die Störung länger als 6 Monate andauert, mit einer bedeutsamen Beeinträchtigung der Betroffenen einhergeht und bereits mehrere erfolglose Behandlungsversuche stattfanden. Nicht immer muss die Beeinträchtigung mit körperlichen Veränderungen oder Schäden der Wirbelsäule zusammenhängen, sondern sie bezieht sich überwiegend auf Aspekte des Verhaltens, der Wahrnehmung und gefühlsmäßigen Verarbeitung.

Während man früher chronische Rückenschmerzen als unmittelbare Folge einer spezifischen organischen Störung betrachtete und nur darauf bedacht war, diese Ursache - oder sofern das nicht möglich war, durch Verabreichung von Schmerzmedikamenten (Analgetika) zumindest die Schmerzreaktion - zu beseitigen, belegen inzwischen zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen, dass in der Rehabilitation insbesondere den psychosozialen Prozessen bei chronische n Rückenschmerzen eine besonders große Bedeutung zukommt.

Die alleinige Fixierung auf medikamentöse oder gar operative Interventionen bei chronische n Rückenschmerzen hatte oftmals zur Folge, dass sich die eigenen Initiativen und Aktivitäten, sowie die inneren Kontrollüberzeugungen der Schmerzpatienten reduzierten. Nicht zuletzt, weil sich diese Maßnahmen in nicht wenigen Fällen langfristig als unbefriedigend für die Betroffenen erwiesen haben, zielt die moderne Schmerztherapie bei chronische n Rückenschmerzen in der Rehabilitation heute darauf ab, einem bio-psychosozialem Modell folgend, auch psychologische und soziale Faktoren zu berücksichtigen und in das Therapiekonzept miteinzubeziehen.

Zahlreiche Ergebnisse der interdisziplinären Schmerzforschung haben verdeutlicht, dass bei Patienten mit chronische n Rückenschmerzen nicht allein die Schmerzintensität den größten Anteil an der Beeinträchtigung der Betroffenen hat, sondern dass ihre Bewältigungsressourcen, die gedanklichen Bewertungen, die emotionale Verarbeitung, sowie das gelernte Schmerzverhalten wesentliche Determinanten darstellen, die auch in der Rehabilitation von Schmerzpatienten Berücksichtigung finden sollten.

So umfassen die Verhaltensbeeinträchtigungen bei chronische n Rückenschmerzen nicht nur Bewegungseinschränkungen z.B. beim Bücken und Heben in Folge einer Schwächung der Muskulatur (Atrophie) durch Schonverhalten, sondern auch den Rückzug aus verschiedenen sozialen Beziehungen in Familie, Freizeit und Beruf. Durch häufige diagnostische und therapeutische Interventionen und oftmals enttäuschende Behandlungserfahrungen resignieren zudem viele Schmerzpatienten mit chronische n Rückenschmerzen und entwickeln aus dem Gefühl der Hoffnungs- und Hilflosigkeit depressive Verstimmungen, die wiederum die Schmerzwahrnehmung verstärken.

Um die wechselseitige Beeinflussung von chronische n Rückenschmerzen, Schmerzbewältigung, Beeinträchtigung der allgemeinen Befindlichkeit und situativen Faktoren genauer untersuchen und behandeln zu können, wurden daher in der klinisch-psychologischen Forschung sog. transaktionale Schmerzkonzepte entwickelt.

Als besonders hilfreich hat sich in diesem Kontext das sog. Diathese-Stress-Modell erwiesen, das einen Zusammenhang zwischen dem Stress-Erleben und der muskulären Anspannung postuliert. Demnach kommt es bei einer erworbenen oder konstitutionellen Reaktionsbereitschaft des Organismus zu einer pathologischen Reaktion im Bereich der Wirbelsäulenmuskulatur, wenn eine Stress-Situation als nicht hinreichend zu bewältigen erlebt wird. Findet im Anschluss keine Erholung statt oder treten diese Stress-Reaktionen öfter auf, so kann es im Laufe der Zeit zur Daueranspannung (Kontraktion), Minderdurchblutung (Ischämie) und somit zu einem Sauerstoffmangel (Hypoxie) in der Rückenmuskulatur kommen, wodurch es zu chronische n Rückenschmerzen kommen kann.

Durch zahlreiche Untersuchungen konnte inzwischen belegt werden, dass bei chronische n Rückenschmerzen Körper und Psyche in einer engen Wechselwirkung stehen und in der Rehabilitation daher einer parallelen Diagnostik und Therapie bedürfen.

Basierend auf dieser Erkenntnis wurden Behandlungsansätze entwickelt, die mittels psychologischer Interventionen zu einer Veränderung des Verhaltens und Erlebens der Betroffenen führen und die Fähigkeit zum Selbstmanagement der chronische n Rückenschmerzen fördern sollen.

Ziele der multimodalen Schmerztherapie in der Rehabilitation sind daher der Aufbau bzw. die Förderung von Gesundheitsverhalten (z.B. durch Reduzierung von Stress), die Optimierung von Schmerzmedikamenten (Analgetika), sowie die Löschung von Krankheitsverhalten. Zudem sollen moderate sportliche und psychosoziale Aktivitäten der Patienten verstärkt und ihr Schonverhalten abgebaut werden.

In der Rehabilitation von Patienten mit chronische n Rückenschmerzen wird daher die Verbesserung der physischen Kondition durch gezielte körperliche Übungen unter fachlicher Anleitung gefördert. Sie beinhaltet neben einer ausführlichen Beratung über risikolose Bewegungsabläufe auch das praktische Üben von rückengerechten Positionen bei Hausarbeiten oder geeigneten Bewegungsabläufen am Arbeitsplatz.

Ein weiteres wichtiges Element der multimodalen Schmerztherapie ist das Erlernen eines Entspannungsverfahrens, wie z.B. der Progressiven Muskelrelaxation oder des Autogenen Trainings zum Abbau von Stress, der Verbesserung der Wahrnehmung muskulärer Spannungszustände und Förderung des psycho-vegetativen Ausgleichs.

Da viele Patienten mit chronische n Rückenschmerzen ein ausgeprägtes Defizit in der Anzahl und Qualität ihrer sozialen Interaktionen aufweisen, sollen diese durch regelmäßige themenzentrierte Gruppensitzungen gefördert und das Kommunikationsverhalten verstärkt werden. Dabei werden nach einer Analyse der schmerzauslösenden Bedingungen spezifische kognitive Techniken wie Aufmerksamkeitslenkung, Imagination, Förderung von Genuss bzw.  Lebenszufriedenheit und Transformation schmerzbezogener gedanklicher Bewertungen in die Schmerztherapie einbezogen, wobei es um die Veränderung dysfunktionaler, d.h. depressiv-katastrophisierender, resignierender Einstellungen und Gedanken geht, die sehr oft im Zusammenhang mit chronische n Rückenschmerzen auftreten.

Weil in den meisten Fällen auch die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit erheblich beeinträchtigt ist und nicht selten der Verlust des Arbeitsplatzes droht, erfolgt im Rahmen der sozialmedizinischen Beurteilung und der Sozialberatung eine genaue Analyse der Berufs- und Arbeitsplatzbedingungen. Lässt sich durch eine ergonomische, rückengerechte Umgestaltung des Arbeitsplatzes keine Verbesserung erreichen, so kann über eine innerbetriebliche Umsetzung bzw. eine Weiterqualifizierung oder Umschulung im Rahmen einer beruflichen Rehabilitation diskutiert und somit eine deutliche Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität erreicht werden.

Bei Fragen zur Rehabilitation bzw. psychoedukativen Behandlung bei chronische n Rückenschmerzen stehe ich Ihnen gern unter

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Dipl.-Psych. J. K. Baum
Psychologischer Psychotherapeut

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Aktualisiert: Juni 2010

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